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Seit 1895 zügig ans Meer: 125 Jahre Eisenbahn Niebüll – Dagebüll

Am 29. August dieses Jahres feierte die Norddeutsche Eisenbahn Niebüll GmbH (neg) den 125. Geburtstag ihrer Strecke Niebüll – Dagebüll. Anlässlich des Jubiläums empfing Ingo Dewald, neg Geschäftsführer, mit seinem Team Vertreter aus Politik und Wirtschaft. Ministerpräsident Daniel Günther überbrachte die Glückwünsche der Landesregierung und Kreispräsident Manfred Uekermann die Grußworte des Kreises Nordfriesland. Der Geschäftsführer der SG Flensburg-Handewitt, Dierk Schmäschke, berichtete von seiner damaligen Tätigkeit als Aushilfsschaffner in Nordfriesland.

„Die neg ist im 125. Jahr ihres Bestehens so innovativ und mutig wie zur Gründung des Unternehmens“, sagte der Ministerpräsident. Als regionales Verkehrsunternehmen, Arbeitgeber und Ausbilder sowie als Zubringer für Amrumer und Föhrer Urlaubsgäste sei das Unternehmen für die gesamte Region enorm wichtig. Günther würdigte auch den grenzüberschreitenden Verkehr auf der Strecke zwischen Niebüll, Tondern und Esbjerg. Ein wichtiges Signal sei darüber hinaus der Plan, die Strecke zwischen Niebüll und Dagebüll zu elektrifizieren und später dafür grünen Strom von regionalen Windkraftanlagen zu nutzen.

„Wir blicken stolz auf die Entwicklung unseres Unternehmens“, so Dewald in seiner Begrüßung. „Unsere bedeutendste Tätigkeit ist der umsteigefreie Personenverkehr zwischen Niebüll und den Fähren in Dagebüll. Dafür sind wir vermutlich weit über die Region hinaus bekannt. Wir sind aber auch als infrastruktureller Motor der Energie- und Verkehrswende im Land Schleswig-Holstein sehr aktiv.“ so Dewald weiter. Dazu berichtete er über anstehende Projekte in der Region.

Die Kleinbahn ist erwachsen geworden!
Die feierliche Eröffnung des im Jahre 1895 noch als Kleinbahn bezeichneten Unternehmens mit seiner knapp 14 Kilometer langen Strecke Niebüll – Dagebüll war seinerzeit am 13. Juli. In diesem Jahr – 125 Jahre später – fiel dieses Datum auf einen Montag mitten in den Sommerferien – und mitten in eine durch strenge Regeln zur Verhinderung der Ausbreitung des Corona-Virus gekennzeichnete Zeit. Aus diesem Grunde konnte das geplante Bahnhofsfest inkl. Sonderfahrten mit Dampflok- und Akku-betriebenen Zügen nicht stattfinden. „Vorfreude ist die größte Freude“ – und so schaut das Team der neg schon heute erwartungsvoll auf die nächste Feier im Jahr 2025.

Tradition und Innovation
Die neg ist ein junges Unternehmen mit langjähriger Geschichte. Es begann im Jahre 1895 mit der Schmalspurstrecke Niebüll – Dagebüll: Die Bahnstrecke sollte Kurgästen die Anreise zum Fähranleger erleichtern.

Heute reisen 40 % der IC-Fahrgäste auf der Marschbahnstrecke über den Fähranleger Dagebüll nach Föhr und Amrum. Zwischen der Mole in Dagebüll und verschiedenen Destinationen des Bundesgebietes reisen die Fahrgäste umsteigefrei. Während bundesdurchschnittlich lediglich 7 % der Feriengäste ihr Urlaubsziel per Bahn ansteuern, sind es bei der neg mehr als dreimal so viele: 24 % der Gäste, wählen für Ihren Weg zur W.D.R.-Fähre den Zug. Diese zuverlässigen umsteigefreien Verbindungen mit der Eisenbahn sind hierzulande schon als Innovation einzustufen!

Auch öffentlich wurde der Service der neg mehrfach gewürdigt: Sie erhielt als einziger Verkehrsbetrieb bereits zweimal den ÖPNV-Preis des Fahrgastbeirates Schleswig-Holstein.

Die neg ist nicht nur ein wichtiger Player im Bereich des Tourismus. Der Zubringer zu den Fähren nach Föhr und Amrum hat sein Geschäftsfeld während der letzten Jahrzehnte kontinuierlich ausgebaut. Das Streckennetz hat sich mittlerweile mehr als verdoppelt!

Neben dem Eisenbahnverkehr Niebüll – Dagebüll betreibt die neg die gesamte Eisenbahninfrastruktur Dagebüll – Niebüll – Grenze/DK (Tønder), die Strecke Tornesch – Uetersen, die Schienen- und Nutzfahrzeugwerkstatt Niebüll sowie den Güterbahnhof in Neumünster und die Ladestraße Tinnum/Sylt – Tendenz weiter wachsend.

Als treibende Kraft für innovative Projekte ist die neg zweitgrößter Antragsteller nach LBV.SH beim Amt für Planfeststellung Verkehr(APV). Der neg ist geglückt, was nur wenigen Infrastrukturunternehmen gelingt: Der bestandskräftige Planfeststellungsbeschluss für den Ausbau des Kombi-Verkehrsterminals in Neumünster wurde nicht beklagt.

Im Auftrag des Landes erarbeitet die neg Planungsunterlagen für die Elektrifizierung ihrer Strecke Niebüll – Dagebüll. Mit diesem Großprojekt soll die Energiewende auf den Schienen Fahrt aufnehmen, da zu 100 % regionaler Ökostrom aus Windenergie genutzt werden soll. Es ist geplant, dass der elektrische Bahnbetrieb 2024/25 startet.

Auch im Bereich der Sicherung ist die neg innovativ am Zug: Sie ist die erste nichtbundeseigene Eisenbahn (NE), die den Einbau des European Train Control System (ETCS) umsetzt, das zukünftig als Standard europäischer Bahnen dienen wird.

Ein weiteres innovatives Projekt ist die Wasserstoff-Bus-Wartung in der Werkstatt der neg – geplant für November 2020. Auch hier ist die neg Vorreiter – mit Blick auf die Energiewende.

Die angeführten Beispiele zeigen, dass das mittelständisch geprägte Unternehmen erfolgreich Innovation und Tradition verbindet. Auch ist sie wichtiger Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb im Kreis Nordfriesland: Aktuell sind 75 Mitarbeiter/innen beschäftigt, darunter sieben Auszubildende.